mehr Shock Therapy 
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Jimi, Iggy, Jesus ...
Nummer
15
Jahr
1990
Datum
----.--.--
Written By
Jürgen Laarmann

 

Jimi, Iggy, Jesus ...
... Universalvorbild, Universalantwort
O yes we are EBM we have got all the glory of punk rock and weve got the beat!

Kaum jemand bekennt sich so deutlich zum Terminus Electronic Body Music wie Itchy Gregory John McCormick, dem Kopf und Macher von Shock Therapy Berechtigterweise, wenn man die losgelösten Begriffe Electronic und Body betrachtet, und nicht das Theater das mit dem EBM landläufig verbunden wird (siehe Frontline Assembly Bericht).
Wer sagt denn, das EBM immer kaltes, dumpfes, seelenloses Maschinengehämmer sein muß, wie bei vielen Electrobands ? Electronic BodyMusic verknüpfte zunächst die konträren Pole elektronische Maschinen und menschliche Körper. In diesem Kontext war der menschliche Körper fast immer ein emotionsloses und geistloses Gebilde, nur zum Hüpfen auf den Dancefloors verbannt. Und gegen letzteres ist überhaupt nichts einzuwenden. Wir wollen daß die Leute tanzen. Nur: Shock Therapy erweiterten EBM um die Dimension Fühlen und Denken.

Die Realisierung dieses theoretischen, ebenso richtigen wie wichtigen Gedankengangs charakterisierten die nun mehr drei Shock-Therapy-LPs. Shock Therapy ist Itchy, Komponist, Produzent und eigenen Angaben nach alles, die anderen wechselnden Bandmitglieder sind Musiker deren vornehme Aufgabe es ist, Itchys Live-Auftritten einen entsprechenden Rahmen zu verleihen. Itchy ist 24 und kommt aus Detroit. doch er meint, daß in seinem Fall Geografie nichts mit seinem musikalischen Werdegangzutun hatte (Heavy Detroit Style - what a fuck is this?) Viel mehr prägten ihn über acht Jahre lange Aufenthalte in diversen Kliniken, Heimen, Anstalten, in denen er wegen Drogensucht diversen angeblichen Geisteskrankheiten und Alkoholismus untergebracht war.
(Detroit is the place, where you can get the best drugs all over the world - o yeah its a tough city.)

Aus dieser Epoche stammt dann auch der Name Shock Therapy. Und seine intensive Beschäftigung mit seinen Vorbildern Jimi (Hendrix), Iggy (Pop) und Jesus, wobei er kund tut, dank letzterem einen ähnlichen Werdegang wie vorletzter mitgemacht zu haben. Shock-Therapy-Texte reflektieren persönliche Erkenntnisse und Gedanken der Post-Drogen-Welt, sind dabei erstaunlich treffsicher und haben zum Ziel
to describe reality nothing more and nothing less. I never would say to anybody: Dont use drugs, but I would say to him: Make a decision. And you can use Iggy or me as a learning tool ...

Folgt Exkurs über Gott, was Gott will (ehrlich sein, zu sich und anderen, nicht lügen und töten), was Gott niemals gesagt hat (Färbe Deine Haare nicht blau etc.), mir persönlich etwas zu spätninahagenesk das ganze, aber ich habe ja ähnliches auch nicht durchmachen müssen. Shock Therapy Liveauftritte hängen im wesentlichen davon ab, wie disponiert Meister Itchy ist. Die 1986er Tour war recht chaotisch:
In der Batschkapp (Frankfurt) mußten wir die Backstage-Area zerstören,

vor dem Köln-Auftritt floh der Drummer wg. Heimweh ohne Ankündigung zurück nach Detroit. Für ihn sprang Philipp Adenacker normalerweise Kellner im Rose Club, ein und ist seither festes Mitglied der Band. (Philipp hat im übrigen Deutschlands größte Jimi Hendrix-Bootleg-Sammlung, - irgendwo hängt doch alles irgendwie zusammen). Die 1989-Tour zum Album Touch me and die zeigte den perfekten Umgang der Band mit Elektronik,
We are like Sex Pistols meet Front 242 - we give people stuff for the feet, for the brain and for their hearts, we are the total crossover.

Doch Crossover hier in der extended version, die über das Kombinieren bloßer Musikstile hinausgeht, bietet seine Problematiken. Am gewöhnlichsten und bekanntesten ist noch mangelnde Identifikation puristischer Fans (murrende NitzerEbb-Kids beim Frankfurt Gig) die Befriedigung nur durch ein Höchstmaß an Einseitigkeit finden
To move, to feel and to think

waren die von Itchy richtig festgestellten Tätigkeiten, die sogenannte gute Musik beim Rezipienten auslösen soll / kann. Aber eher entweder oder. Wer will beim Tanzen denken oder beim Denken tanzen ? Ist Tanzmusik schlechter Mittlerwichtiger, zumindest komplexerer Botschaften, mindert nicht sogar jegliche intellektuelle Anforderung die Möglichkeiten freier Entfaltung beim Tanz ? Heißt die Lösung in der Disco tanzen und zu Hause zuhören und denken. Oder sind Gruppen wie Shock Therapy Rettung für all jene, die sich durch penetrante Banaldancefloor gelangweilt, mithin unterfordert, fühlen ? Tanz, Text und Theorie. Abhandlungen konnten folgen, aber Itchy greift die Universalantwort vorweg:
Es kommt immer darauf an, was Du brauchst, was Du willst und was Du verstehen und bewältigen kannst.
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