mehr Shock Therapy 
site for english|Kontakt, Impressum
Band
Releases
Songs
Presse
Event
Shark
Don't Buy his Records, Buy Mine
Nummer
43
Jahr
1989
Datum
1989-06-15
Written By
Klaus Fiehe

 

Don't Buy his Records, Buy Mine
Als seine tollwütige Springmaus starb, antwortete er mit "The Jarboas", zu deutsch "Die Springmäuse" und auch, als sie ihn Jahre später aus der Psychiatrie entließen, schlug er umgehend zurück und gründete "SHOCK THERAPY", 1983 war das, in Detroit. Was sich da zum zweiten Mal nach der Herbsttour ‘88 im Mai dieses Jahres als düstere, mehrköpfige Todesschwadron durch deutsche Clubs bewegt, ist vom ersten bis zum letzten Ton sein Werk, seine Erfindung. Der Mann heißt Gregory John McCormick.

"Ich hatte ‘n großen Ledermantel an, öffnete die Türen des Studios, saß im Dunkeln und fror mir meinen verdammten Hintern ab. Die Spucke gefror noch bevor sie auf den Boden traf, durch den Kopfhörer die Musik, dazu Dunkelheit und Kälte Ich wollte mein eigenes System schocken, nur so konnte es zu Sachen kommen wie "Tomorrowland" oder "You hate me", zu dieser Form von Gesang ..."

McCormick erklärt die ungewöhnlichen Produktionsmethoden, die zur Entstehung von "Touch me and die", dem dritten ST Album wesentlich beigetragen haben. Alles habe diesmal gestimmt, nichts sei gegen seinen Willen geschehen wie zum Teil noch beim Vorgänger "My unshakeable Belief". Allerdings bleiben da immer noch genügend Gemeinsamkeiten und das ist gut so. Vielleicht nicht mehr ganz so ungestüm vorpreschend ist Tmad eine nach wie vor spannende Fusion aus trashigen Gitarren, altertümlich klingenden Keyboards - meine Güte, ich denke da manchmal tatsächlich an Emerson,Lake and Palmer - Sequenzern und billiger Beatbox. Stärker sicherlich als bisher dominiert über vergleichsweise leicht reduziertem Sound McCormicks Stimme und das, was sie zu sagen hat, seine Message: sei immer du selbst und trotze diesem freudlosen Dasein alles nur Erdenkliche ab.

"Die Leute sehen mich als eine Kerze, die an beiden Enden brennt. Keiner konnte das tun, was ich tue oder mir dabei helfen. Ich weiß, daß ich was kann, war ja nicht umsonst auf einigen dieser Begabtenschulen, doch Studium und geregelte Arbeit, kannst du dir das bei mir vorstellen? Nein? Ich habe lange gebraucht, das festzustellen."

Freunde, engere Beziehungen? Fehlanzeige. Heute nacht war er wieder mal betrunken und hat eins der schlafenden Bandmitglieder regelrecht zusammengeschlagen. Der hat geheult und ihn nach dem Warum gefragt.Es war nur so, ohne Grund, er habe sich halt einen herausgesucht. Doch in Coesfeld ist es verdammt sonnig heute abend, da ist er doch sicher einigermaßen gut gelaunt, oder?

"Es ist eine Frage der Ebene, auf der du unzufrieden bist. Schau her, das verdammte Haarspray tropft mir unentwegt in die Augen aber, ich akzeptiere es wie den Regen, doch glaub mir, es tut verdammt weh."

"Touch me and die" verlangt nach einer freieren Übersetzung als dem naheliegenden "Berühr mich und stirb". Gemeint ist das Ver(sch)wenden größtmöglicher Energie auf eine Sache, ein Ziel, auch um den möglichen Preis des Lebens, also Tod. Der wiederum muß aber nicht physisch eintreten, sondern ergibt sich ganz automatisch
durch den Verlust menschlicher Wärme, Freunde etc. Hier braucht McCormick den Fan als letzten wirklichen Halt, "hold me til I wither away" (touch me and die). Wo auch das nicht mehr hilft, gibt es dann noch
Itchy. die von ihm erschaffene Kunstfigur, logischerweise auf bisher allen Platten vertreten.

Klar, daß McCormick mit dieser bizarren Scheinwelt vollkommen ausgelastet ist und auch nicht die geringsten Gedanken an andere Combos - Cure, Killing Joke, Joy Division - verschwendet, eine Bedrohung seien sie für ihn, jawohl, eine Bedrohung. Einzig Alan Jourgensen von Ministry/Revolting Cocks schätze er, dabei meckert und gestikuliert er wild herum.

"Nein, nein, nein, ich nehm alles zurück, keine Promotion für andere, "don’t buy his records. buy mine."

Gespräche über Gott und die Welt dürfen zukünftig getrost um eine weitere feste Größe erweitert werden, sie heißt Gregory John McCormick.
© 2019 Konzept, Planung, Design, Umsetzung und Betreuung der Webseite durch Der Knecht.net, René Grellert